Stillleben nach europäischer Tradition sind Darstellungen unbelebter, regloser Gegenstände. Die Gruppierung richtet sich zunächst nach inhaltlichen Kriterien wie Blumen, Früchte, Flaschen, Gläser, Musikinstrumente. Dazu kommt mehr oder weniger offen ein symbolischer Gehalt. Im Barock in den Niederlanden ist es der Vanitas-Gedanke mit Symbolen wie Schädel und verlöschender Kerze, welkenden Blumen, aufgebrochenen Früchten. In der Moderne nimmt der ästhetische Aspekt immer mehr Raum ein, dominiert mit Cézanne durch die Betonung von Form und Farbe, dem Malerischen an sich, verbindet sich bei Matisse mit Innen und Außen.
Cézanne erscheint an zentraler Stelle und wird erweitert durch Rilke und seine Beschäftigung mit ihm, die eine große Verwandtschaft im Schaffen des Dichters und des Malers zeigt. In Rilkes Werk kommt dem Ding eine große Bedeutung zu.
In der Neuen Sachlichkeit wird der Alltag der Menschen Thema. Die dramatischen Auswirkungen als Folge des Krieges bilden sich in einer großen Nüchternheit und Härte ab. Stillleben spiegeln mitunter das Leben von Menschen in Objekten, verweisen auf ein komplexes Miteinander. Das Ding als solches wird aussagekräftig. So spiegeln die beiden unterschiedlich gestalteten Stühle, die Van Gogh sich und Gauguin zuweist, das ganze Drama zwischen den beiden Malern. Stillleben öffnen den Zugang zur Welt über die Dinge, und über die Dinge erzählen sie von Menschen. Es sind stille Leben, und so schließen sich kurze Porträts an, stille Betrachtungen. In den kurzen Episoden spiegeln sich Menschen in einer ähnlich reduzierten und über das Gesagte hinausweisenden Weise.
Von Dingen und Menschen
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