
Sommerschwer
die
Vogelbeerdolden
Lyrik
ISBN 978-3-89906-596-1
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Sommerschwer
die Vogelbeerdolden
Verhaftet
und auch ein wenig zu Hause
in
einem bestimmten Raum, einer Landschaft -
im
Zyklus der Jahreszeiten die Veränderungen wahrnehmen,
im
scheinbar Alltäglichen das Besondere,
das
Einmalige erkennen -
in
den Jahreszeiten die Jahrestage
annehmen,
das
Momentum einer Jahrhundertwende -
und
ein Sprechen vom möglichen,
vom
erträumten Glück.
Am Rande des Sommers
den Sommer auf die
Waagschale legen
abwägen Tag und Jahr
es wagen
ohne waghalsig zu sein -
wie die
Vogelbeerdolden
in den Herbst
hineinwachsen
und wie die
Hagebutten
die flatternden
Rosen
auf den Punkt
bringen!
Frucht folgt
der Blüte
und nährt.
2001
HERBSTSTIMMUNG AM SEE
das
Feuer
des
rotbraun gewellten Haares
fällt
locker
über
die Nackenlinie
des
Seeufers
auf
den
dämmernden
Spiegel -
über
dem Damm
die
phallischen Schwerter
der
Pappeln -
aus
dem Haar lösen sich
einzelne
Kämme:
kleine blaue Boote
Im
September 1998
ROSEN
IM HERBST
Rosen
im Herbst
aus
denen das Rot
rinnt
wie das Jahr
verblasste
Schrift
des
Sommers
auf
alterndem Pergament
als
wäre das Rot der Rosen
ins
Grün der Blätter gedrungen:
verklingende
Feuer
überall
-
nur
in den Rosen
schwelt
leise
die
feine Seide
der
Dauer.
Im
Oktober 1999
STRAUSS ZUR JAHRHUNDERTWENDE
oder
JUGENDSTILVIGNETTE VERSPÄTET
Lachsrote Rosen
wie Petticoats von jungen Mädchen,
die erröten,
da das Jahrhundert
in den Knospen ruhte,
Mädchen, die zu Frauen
wurden
in den Kriegen
und schließlich asterngleich
als Großmütter sich wünschten
gelassen ins Grün der Gärten
sich zu lehnen -
so scheint der Strauß
die Welt der Frauen
in der Zeit zu spiegeln.
Im Dezember 1999
EIN
STRAUSS VON TULPEN
Ein
Strauß von Tulpen
wie
flatternde Fahnen
aufrecht
im schrägen Licht
bindet
die durchsonnte Farbigkeit
wie
die Glasfenster gotischer Kirchen
an
einen Anflug
von
samtener Weiche
und
dann -
dieses
vorbehaltlose
Sich-Öffnen
zum
Himmel!
Am
14. Februar 2001
BLAUE
MELANCHOLIE
Im
Frühling wächst das Grün
aus
blauer Kühle, zartgliedrig hell,
dann
immer dichter, dunkler -
Erlkönig
lässt sich nieder im Gezweig
regt
sich und geistert,
spielt
mit Licht und Schatten,
der
abends dir, dem Kind,
das
Herz beschwert'.
Wohin
wird er sich wenden, wenn
die
Blätter bunt sich färben
und
fallen, wenn in den Zwischenräumen
erneut
Raum wird für Himmelsblau?
Dies
Blau wird uns begleiten
in
klare kühle Tage,
in
denen sich die Dinge
leis von uns entfernen,
Gefühle
sich lösen
und
alle Trauer
eindringt
in den leeren
blauen
Raum.
Im
Oktober 2001
EINE
VORSTELLUNG VON GLÜCK
-
IN FRAGMENTEN
Aufwachsen
unter Rosen,
immerfort
leben in den Blumen,
sich
wiegen im Wogen sommerlicher Wiesen,
teilhaben
am rhythmischen Wehen des Windes
-
und schauen von hohen Balkonen
in
ein rosenduftendes blaugrünes Land -
sein
wie ein Körper, der
in
einen abendlich warmen See gleitet -
nicht
unbedingt fröhlich sein zu müssen
sein
eigenes Gesicht tragen
ganz
still und ganz bei sich sein
und
auch ganz außer sich -
warten
auf irgendetwas,
das
vage und unbestimmt,
aber
doch auf etwas
jenseits
von nichts -
und
die Hoffnung hegen, dass
wenn
du wie ein Gefäß, das zerbricht
und
die Treppe hinunterrollt,
dass
du dann in Hände fällst,
die
dich bergen.
Im
Juni 2005
E-Mail: ingeborg @ ingeborgbauer.de