Das Blau des Himmels aber birgt den
Engel
ISBN
3-89906-795-9
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Diese Sammlung lyrischer Texte begleitet den Leser zunächst auf einem Gang durch die Jahreszeiten, wobei der Schwerpunkt auf dem Winter liegt.
Es handelt sich fast durchwegs um Haikus, um (formal ursprünglich japanische) Dreizeiler mit der Silbenfolge 5 + 7 + 5. Haikus beschäftigen sich in der Regel mit der Natur. Ein Haiku lebt vom Bild, von einzelnen Bildern, hinter denen doch, oft kaum merklich, ein Ganzes sichtbar werden kann.
Bilder und Zeichen und Übergänge zwischen beiden, Zeichenhaftes in der Natur
und in der kulturellen Entwicklung, sind Thema der nun folgenden lyrischen
Texte, die man großenteils auch als Piktogramme bezeichnen könnte. Piktogramme
haben formal etwas Fragmentarisches, sind auch Verdichtungen, indem sie etwas
sozusagen auf den Punkt („die nabe“) bringen und
obwohl sie in Bildern sprechen, weisen sie doch über diese hinaus.
aus dem
Gewirr der Linien
schält
sich die Form
aus dem Bild
wächst
das Zeichen
aus dem
Amorphen
entsteht
eine Welt
aus:
WINTERBILDER -
das Blau des Himmels
aber birgt den Engel
Im
Traum ging ich vom
Tag
in die sternklare Nacht:
mit
mir das Helle.
Der
volle Mond schmiegt
sich
ins filigrane Laub
des
Apfelbaumes.
Goldene
Inseln
im
Wasser - Silberschnitte
der
kahlen Birken.
Im
Licht des Morgens
glänzen
die Eiskristalle:
lauter
Juwelen.
Ein
Buchstabe sein
in
einem großen Gesang:
ein
Kiesel im Bach.
aus:
PIKTOGRAMME
Von
Bildern und Zeichen
rasch
eine schneise geschlagen
in
die gefrorene zeit -
durch eisblumen
und frostgeflecht
ins
lichte kristall
der nacht geschaut -
die utopie
von
glauben
hoffen
lieben
handschriftlich (II)
ein
Netz
geknotet
aus Zeichen
bewegt
in
sich ruhend
vorwärts
schreitend
rückwärts
gewandt
sich
in eine Landschaft fügen
Vokale
die
in sich ruhen
ins
Volle greifen
ein
Wiegenlied
aus
blauen Tönen
und
Konsonanten
die
sich leicht verhaken
ihre
Antennen ausstrecken
Wurzeln
bilden
Schlingen
legen
die Vergessenes
einfangen
und
dann
diese
filigranen Fäden
die
sich an den Raum verlieren
ein
Netz geknotet
aus
Zeichen
sich
zu einer Seelenlandschaft
fügend
Archäologie
der Bilder
Bilder
ausgraben
unter
die Oberfläche dringen
das
Geheimnis der Untermalung lüften
in
die gläsernen Schichten schauen
Wunden
zulassen
und
ihre Vernarbung -
erleben
wie
aus
der vertikalen Verankerung
ein
Horizont entsteht.
das
öffnen der metapher
unerwartet
der rohrschachtest für ungeübte
tintenklecks-silhouetten ver-rückter ebenen -
der
schrei nach der brille, die in die tiefe dringt
Begegnungen
ein
Gesicht, das sich verschließt
eine
Geschichte, die sich verweigert
ein
Bild, das stumm bleibt
ein
Bild, das dich berührt
ein
Gesicht, das sich dir öffnet
eine
Geschichte, die dieses Gesicht
trägt
aus:
träume
träume
sind erdstöße
verschiebung der segmente:
eine
urlandschaft
die
zur veränderung drängt
träume
sind hybride
grenzgänger
zwischen
himmel und erde
manchmal
streifen sie
die
flügel von engeln
aus:
der seiltänzer
auf
dem hochseil
tastend
vogel
flügellos
durch
die feuertaufe
langer
augenblicke
schreitend:
läuterung
aus:
fragmente (II)
mehrfachbelichtete bilder:
so
werfen ereignisse
schatten
auf orte auf momente
die nichts von
einander wissen
so findet
entferntes
zur
nähe
erinnerungsfolien
eine über die
andere gelegt
annäherung an
begrenzte
wahrheit
aus:
Annäherung an Paul Klee
Klees
Engel
als
passe sich
der
Flügel
der
Erde an
als
tasteten
fühlende
Hände
nach
dir
federleicht
und
erdenschwer
steht
der Engel
im
Raum
schaut
dich an
Books on Demand: „Die Sammlung von Haikus und Gedichten nimmt den Leser mit auf eine Reise durch die Jahreszeiten. Zeichenhaftes in der Natur und der kulturellen Entwicklung ist zwar Thema der lyrischen Texte, dennoch reichen sie in ihrer Interpretationsoffenheit weit über eine reine Bildhaftigkeit hinaus.“
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